Digitale Kunstpolitik

"Angesichts des Bedürfnisses nach Schlussfolgerung und Vorstellungskraft haben sowohl Wissenschaftler als auch Künstler lange Zeit betont, dass keine andere Gruppe in der Gesellschaft für die Aufgabe, die Zukunft zu gestalten, so geeignet ist, wie eben Akademiker und Künstler. (Gundolf S. Freyermuth, Utopian Futures, 2019, S.20)"

Die Zeit drängt. Die Gefahren, die uns bedrohen, sind hautnah: die physische Ausrottung der Menschheit oder eines großen Teils von ihr zusammen mit der Zerstörung des menschlichen Habitats; die Verelendung eines erheblichen Teiles der sogenannten Zwei-Drittel-Welt; die Repression des Menschen überall in der Welt; die Zerstörung der wesentlichen Lebensgrundlagen der natürlichen Umwelt der Menschheit; die psychische Deformierung des Menschen in Nord und Süd, Ost und West. Auszüge vom Berliner Politologen Ossip K. Flechtheim († 4. März 1998) bei einer Buchvorstellung zu seinem im Jahr 1972 veröffentlichten Werk namens Futurologie, der Kampf um die Zukunft. Bereits vor 50 Jahren warnte er: „Die Bedrohungen hängen aufs engste zusammen und können eigentlich nur miteinander gelöst werden. Und, was das wirklich Fatale ist, wir haben nicht mehr allzu viel Zeit, um unser Haus — d. h. den Planeten Erde! — in Ordnung zu bringen!“

T-R-I-P, Tausend Rapper in Person (klick mich an)

Betrachten wir die Gegenwart lässt sich konstatieren, dass wir keinen Deut weitergekommen sind und sich die Lage leider Gottes zugespitzt hat. Was können wir also lehrreiches mitnehmen aus Flechtheims Werk, über welches Günther Heyder schrieb, es gäbe kaum ein wichtigeres Buch über Sinn und Ziel der Zukunftsforschung? Mit Nachdruck wird in dem Buch für eine Zukunftsforschung plädiert, die sich dem Ziel verpflichtet weiß, „eine solidarische Weltföderation mit Planung der Zukunft der Menschheit im Dienste von Frieden, Wohlfahrt und Kreativität“ zu verwirklichen. Hierfür müssen Prognostik, Planung und Philosophie der Zukunft zu einer neuen Einheit zusammengefügt werden, wobei zur Zukunfts-Philosophie auch die Politik und Pädagogik der Zukunft gehören.

Die Futurologie, meint Flechtheim,  könne als „Dritte Kraft“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus verstanden werden, die über beide hinausweist. Flechtheim plädierte auch dafür, das die Futurologie zu einer demokratisch-humanistischen Dritten Front werde, die quer durch alle Blöcke verläuft. Dann könne sie nicht nur zur Annäherung der beiden Machtblöcke beisteuern, sondern vor allem auch zur Liberalisierung und Humanisierung der Welt von morgen beitragen. Als Annäherung an die von ihm angestrebte abgerüstete klassenlose Weltföderation, die im Geiste eines weltweiten solidarischen Humanismus ihre Probleme gewaltfrei löst, sah Flechtheim als zu verwirklichendes Nahziel eine Privilegien, Bürokratismus und Militarismus abbauende sozialistische Demokratie an. Er setzte dabei einige Hoffnung auf die aufbegehrende Jugend, von der die Brüchigkeit und Hohlheit der modernen Gesellschaft, die Entfremdung und Verdinglichung ihrer Kultur, die Leere und Lüge ihrer Politik entdeckt werde. In seinen philosophischen Betrachtungen zur Futurologie strebt Flechtheim eine Haltung an, die die positiven Möglichkeiten der Zukunft gegen die negativen Beschränkungen der Vergangenheit durchsetzen will. Dieses zielgerichtete Handeln resultiert aus der Erkenntnis, dass nur die Zukunft der Ort ist, wo der Mensch versuchen kann, die Herrschaft der ‚Unwerte‘ – Unfriede und Ungerechtigkeit, Unfreiheit und Unwahrheit – und den Mächten, die sich mit diesen ‚Unwerten‘ identifizieren abzubauen, um die ‚Grundwerte‘ – Friede und Gerechtigkeit, Freiheit und vor allem Wahrheit zu stärken.

"Das Internet ist gefährlich gut darin Rudel zu bilden (Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld, Digitaler Humanismus, Eine Ethik für das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, 2018, S.147)."
Die Wölfe sind los und wollen das Blut seh'n. Lasst die Bänder rollen, das Volk will zuseh'n. Lasst die Spiele beginnen. Nie war Revolution schöner denn zur heutigen Zeit. (Klick mich an)

Die Verwirklichung der Grund- oder Urwerte des Menschen betrachtet Flechtheim als einen stetigen Vorstoß in die Zukunft. Ein Sieg der Utopie über die Ideologie. Dieser muss allerdings immer wieder neu errungen werden, denn die radikale Utopie ist ein stets bedrohtes, künstliches Kulturprodukt. Die traditionalistische Ideologie dagegen ist eine ursprüngliche-natürliche Macht, die sich stets restauriert. Erst die Kultur bringt die Chance der Humanisierung des Menschen. In dem Buch ‚Über Popmusik‘ schreibt Diedrich Diederichsen, dass sich Pop-Musik auf diejenigen beziehen lässt, die nicht herrschen, um dann die Pop-Musik als eine Art autonome Kultur der Nichtherrschenden zu beschreiben, welche utopische Punkte, Momente und Einstiege in eine Welt des Nichterzwungen, also der Welt von morgen, bestimmt. Die Popkultur erscheint so als sehr machtvoll, um die Humanisierung des Menschen zu ermöglichen und die Futurologie als dritte Front sichtbar zu machen. Vor allem birgt, wie ihr inzwischen vielleicht schon selbst festgestellt habt, die HipHop-Kultur ein riesiges Potential. So traf Stephan Kunze, ein Musikredakteur von Spotify, in dem Buch ‚Könnt ihr uns hören? – Eine Oral History des deutschen Rap‘ die Aussage, dass Rap die heutige Popmusik ist. Und Marc Leopoldseder, Mitgründer von All Good und ehemaliger Redakteur bei der Juice, pflichtet bei, dass HipHop inzwischen in der Mega-Mainstream-Kultur angekommen ist. Laut Leopoldseder ist das genau der Ort, an dem man ihn immer haben wollte, um gleichzeitig zu ergänzen: „Aber was eigentlich die gemeinsamen Werte dieser Kultur sind – darüber hat in den letzten zehn Jahren kein Austausch stattgefunden.“ Antworten auf diese Frage lassen sich jedoch auch aus diesem Buch herauslesen. So sprechen die Wegbereiter der HipHop-Kultur und Rap-Stars von heute davon, dass es selbstverständlich war einen Internationalismus zu leben, dass HipHop ein Movement war, bei dem jeder mitmachen konnte, welches gezeigt hat: Wir sind hier und wir gehen nicht wieder weg. Ralf Kotthoff, HipHop-Aktivist und -Experte, sprach von dem Gefühl zu etwas Größerem, Gutem zu gehören. Zu etwas, das Gerechtigkeit herstellen würde und das Subjekt auf der Suche nach Wahrheit und Identität begleitet. Cora E., die mit ihrem Song ‚Könnt ihr mich hör’n?‘ eine Inspiration zur Oral History von Jan Wehn und Davide Bortot lieferte, betonte die Möglichkeit mithilfe von HipHop das Negative in das Positive umzuwandeln. Vor allem die Möglichkeit aus dem Nichts etwas zu erschaffen Peace, Love, Unity & Wissen weiterzugeben und voneinander zu lernen erscheint als essentiell. Akim Walta, Gründer des wegweisenden Label MZEE Records, meint die HipHop-Kultur gäbe dem Ganzen eine Klammer, eine eigene Philosophie und somit auch ein eigenes Wertesystem, das man jungen Menschen gut vermitteln kann. Und was sehr machtvoll erscheint auf der ganzen Welt verstanden werden kann. Auch der Rapper Trettmann sagt: „Die Kultur verbindet, auch über Ozeane hinweg. Wenn ich in Übersee bin, fühle ich mich nicht fremd, denn wir alle teilen die Gleiche Liebe zur Kultur.“ „HipHop hatte schon immer einen DIY-Charakter, weshalb manche Leute sagen, dass HipHop und Punk nicht unähnlich sind und beide Genres davon leben, dass man anti ist und einfach mal macht. Das mag in Teilen stimmen. Aber HipHop hatte immer auch etwas mit Kunstfertigkeit, Meisterschaft und Wettbewerb zu tun“, so Götz Gottschalk, ein weiterer HipHop-Pionier, der seit über zwanzig Jahren Musiker wie Curse, Max Herre und Megaloh betreut und berät. Wer beherrscht also das Rap-Game? Ist es vielleicht Torch, über den Samy Deluxe rappt, dass er ihn als Bundeskanzler haben möchte? Oder Samy Deluxe selbst, der in einem anderen Lied darüber rappt bald selbst Bundeskanzler zu sein? Wir sind ja der Meinung Cr7z, mit dem ein UN7KAT in diesem Land hervorgebracht wird, ist die wahre Lehre im Rap-Game. Geschmäcker sind ja verschieden, also hört euch auch die nächsten Playlisten an und entscheidet dann selbst. 

 

"Gestern Nacht träumte ich, ich wär ein Schmetterling und flog von Blume zu Blume. Da erwachte ich und siehe: Alles war nur ein Traum. Jetzt weiß ich nicht: Bin ich ein Mensch der träumte, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der träumt, er sei ein Mensch?" Zhuangzi

In Philosophie der Musik, schreibt Andreas Domann, dass Kunst, die eingreifend und gesellschaftsverändernd wirken soll, anderen Grundsätzen folgt als eine, die zur Zeit der realisierten Utopie Ausdruck einer nicht mehr entfremdeten Existenz des Menschen ist. Der deutschen Pop-Musik schreiben wir großes Potential zu, um als Kunstform diese Gesellschaftsveränderung anzustoßen, denn blickt man auf die internationale Wahrnehmung, dann fällt auf, dass deutscher Pop insbesondere als Kunst Aufmerksamkeit erregte und zwar als intellektuelle Ausdrucksform, der spezifisch deutsche Attribute zugeschrieben wurden. In dem Buch Die Kunst der Vorausschau schreibt Bertrand de Jouvenel, dass die intellektuelle Konstruktion einer wahrscheinlichen Zukunft ein Werk der Kunst ist. In dem Video ‚Gewaltfreie Revolution – PlanC – Die Dritte Front‘ ist eine Line von KIZ zu hören, in der nach dem Ausbruch des dritten Weltkriegs gefragt wird. Sagt die deutsche Popkultur/HipHop-Kultur also sowas wie einen dritten Weltkrieg voraus? Eine Art Krieg der Künste oder wie Marteria ihn genannt hat – den heiligen Krieg – in dem sich die Kultur erhebt?

"Das hat für uns die Welt bedeutet! Wenn du auf einmal die Möglichkeit kriegst, dich komplett neu zu erfinden, ist das unfassbar mächtig. Du suchst dir einfach einen Namen aus und sagst dann: Die Person, die diesen Namen trägt, kann dieses und jenes - und das machst du dann. Das ist, als würdest du deinen eigenen Marvel-Superhelden kreieren." - Katmando
Errichte eine neue Ordnung. Habe 666 Likes auf meiner Fanseite. Kanye ist der Teufel und ich sein Prophet. Ich wollte immer ein MC sein, und wurde es, sei vorsichtig, bevor du rappst. Blutsbruder mit Big und 2Pac, Eazy-E, Snoop und Too $hort. (Klick mich an)
"Im Umgang mit der Zukunft ist es wichtiger, einfallsreich und aufschlussreich zu sein, als zu 100% 'richtig' zu sein. Theorien müssen nicht 'richtig' sein, um enorm nützlich zu sein. (Alvin Toffler, Future Shock, 1970, S.6)"​

Hat die digitale Revolution den Beginn der Popmoderne, also einer neuen Politikgeschichte, bereitet?

Nun wurde auch dir die Triptheorie überliefert!
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So haben es die Berliner Ostpunks auch gemacht, nannte sich bloß Tape-Trading und war deutlich aufwendiger, als das simple weiterleiten eines Links. Lasst uns den Spirit der Berliner Ostpunks (Schaff dir die Welt, in der du Leben willst selbst) durch Deutschrap aufleben lassen und in die Gesellschaft tragen und sobald Corona vorbei ist feiern bis die Grenzen fallen. Es geht um unsere Zukunft und das Leben der nachkommenden Generationen.

Don’t die in the waiting room of the future. Revolution from below. #germanrapagainsttoomuchfuture

 

"Was ich hier mach', kann man mit Worten nicht erklär'n. Ich verteil' meine Seele auf die Tracks, als ob es Horkruxe wär'n. Und wenn ich Punches rapp', natürlich gottgleich so wie Kanye West. Ich bin Zeus und wieder erhell'n meine Blitze die Nacht" - Herrscher des Olymps/Legion von Dame
Enthaupte Zeus und nehme Hera zur Geliebten. Unterwerfe die Titanen, töte die, die mir nicht dienen (Klick uns an)